Vater liegt mit seinen Kindern auf der Wiese und beobachtet Wolken

Mit allen Sinnen: Hochsensibilität bei Eltern und Kindern

Merkst du sofort, wenn die Stimmung kippt, wenn dein Kind etwas braucht oder wenn irgendwo Spannung in der Luft liegt? Nimmst du vieles gleichzeitig wahr, denkst tief über Dinge nach und bist am Ende des Tages oft einfach leer? Vielleicht stören dich auch bestimmte Gerüche, Geräusche, Texturen oder andere, scheinbar banale Dinge?

Dann kann es sein, dass du besonders feinfühlig bist.

Vielleicht kennst du das schon lange von dir. Vielleicht erst, seit du Kinder hast. Sicher ist: Hochsensibilität ist kein Charakterfehler, sondern richtig eingesetzt eine Stärke.

Was Hochsensibilität ist und was nicht

Hochsensibilität ist keine Diagnose, in keinem Fall abwertend und es ist keine Krankheit. Gemeint ist damit eine Art, Reize besonders intensiv wahrzunehmen und gründlich zu verarbeiten.

Das kann sich ganz unterschiedlich zeigen. Zum Beispiel so:

  • Geräusche, Licht, Gerüche oder Berührungen sind schnell zu viel
  • du spürst Spannungen oft, bevor jemand etwas sagt
  • Gefühle gehen tief – die eigenen und die anderer
  • du brauchst mehr Rückzug, um dich zu sortieren
  • vieles geht dir nah, auch wenn es für andere „nicht so schlimm“ wirkt

Das heißt nicht, dass du übertreibst. Es kann einfach sein, dass dein Nervensystem feiner reagiert und mehr im „Horchmodus“ bleibt.

Warum Elternschaft das oft noch deutlicher macht

Was ohne Kinder schon anstrengend war, tritt mit Kindern oft deutlicher hervor.

Wir bekommen weniger Pausen, werden häufig unterbrochen, sind mehr Reizen ausgesetzt, dürfen mehr Nähe spenden und tragen mehr Verantwortung. Alles Dinge, die unser Nervensystem irgendwie auffangen soll. Für feinfühlige Eltern kann das besonders kräftezehrend sein.

Gerade dann ärgern sich viele Erwachsene darüber, „zu empfindlich“ zu sein. Meist haben wir diesen Satz von Eltern oder Lehrkräften gehört, die es nicht besser wussten.

Schwierig ist daran nicht das „empfindlich“, denn das stimmt ja. Das „zu“ ist problematisch, denn es bewertet und es wertet ab. Es ist ein Glaubenssatz, der sich in deinem Körper einquartiert hat und dich kleiner macht als du bist.

Und wer bestimmt eigentlich, was richtig und was falsch ist?

Lasst uns sicherstellen, dass kein Kind diesen Satz neu verinnerlichen muss. Es gibt so viel schönere, die Kinder beflügeln, statt sie zu bremsen.

Hochsensibilität und Neurodivergenz

Viele Eltern fragen sich irgendwann, ob hinter ihrer eigenen Feinfühligkeit oder der ihres Kindes mehr steckt.

Tatsächlich überschneidet sich Hochsensibilität oft mit Themen wie ADHS, Autismus und/oder Hochbegabung. Reizoffenheit, emotionale Intensität, schnelle Überforderung und starke Detailwahrnehmung kommen dort ebenfalls häufig vor, wie auch bei vielen anderen neurodivergenten Formen unseres Nervensystems.

Das heißt nicht, dass Hochsensibilität immer Teil einer Neurodivergenz sein muss. Aber sie kann damit zusammenhängen.

Manchmal reicht es, die eigene Feinfühligkeit zu verstehen und anzunehmen. Und manchmal lohnt es sich, noch etwas genauer hinzuschauen.

Wenn du deine eigenen Bedürfnisse kaum noch spürst

Viele feinfühlige Menschen haben früh gelernt, ihre Sensibilität zu unterdrücken. Dann kann es heute sein, dass du erst merkst, wie erschöpft du bist, wenn eigentlich schon nichts mehr geht.

Auch das kennen viele sensible Eltern nur zu gut: Funktionieren weit über die eigenen Grenzen hinaus.

Du darfst dich ernst nehmen

Gerade als Elternteil passiert es leicht, dass sich alles nur noch um die Bedürfnisse anderer dreht. Aber auch deine Grenze ist wichtig. 

Wenn du feinfühlig bist, ist Selbstfürsorge kein Luxus. Sie ist Voraussetzung dafür, dass du nicht ins Burnout rutschst.

Das kann sehr schlicht aussehen:

  • lieber kurze Pausen statt gar keiner
  • bewusst weniger Reize
  • ein ruhiger Ort in der Wohnung
  • weniger Multitasking
  • Events sorgfältig auswählen
  • kleine Rituale, die dich runterholen
  • anderen sagen, was dir zu viel ist

Die wichtigste Person in deinem Leben bist du und deine Bedürfnisse sind auch wichtig.

Mein Blick als Coach auf Hochsensibilität

Hochsensibilität ist kein Fehler und nichts, das du dir abgewöhnen musst.

Sie kann anstrengend sein, ja. Aber sie ist oft auch das, was dich fein wahrnehmen lässt und was dich tief mit deinem Kind und anderen verbinden kann, weil es dir Zwischentöne zeigt, die andere übersehen. 

Nur braucht genau diese Feinfühligkeit gute Bedingungen. Sonst wird aus einer Stärke schnell pure Erschöpfung.

Ich kann dich dabei begleiten, wieder innere Balance zu finden, damit du zurück in deine Kraft kommst.